Digitale Tools können Arbeitsalltag und Zusammenarbeit nachhaltig verbessern — wenn sie richtig ausgewählt und eingeführt werden. Zu oft erlebe ich Projekte, die gut gemeint starten und dann im Sand verlaufen: Lizenzen verfallen ungenutzt, Teams arbeiten weiter in alten Silos, oder vermeintliche „All-in-One“-Lösungen müssen doch wieder ergänzt werden. In diesem Beitrag teile ich meine erprobte Vorgehensweise, damit Ihre Tool-Evaluierung nicht in Frustration endet, sondern echte Veränderungen bringt.
Warum viele Evaluierungen scheitern
Bevor ich auf die konkrete Checkliste eingehe: kurz zu den Gründen, die ich in unterschiedlichsten Unternehmen immer wieder sehe.
Mein pragmatischer Evaluierungsrahmen
Ich arbeite mit einem einfachen, aber effektiven Rahmen in fünf Schritten. Er hilft, die Spreu vom Weizen zu trennen und Implementierungen planbar zu machen.
Stellen Sie klar: Welches konkrete Problem wollen Sie lösen? Beispiel: "Reduzierung der E-Mail-Flut um 30 % durch Einführung eines asynchronen Kommunikationskanals" oder "60% schnellere Freigabeprozesse durch digitales Genehmigungs-Workflow". Definieren Sie Messgrößen (KPIs), mit denen Sie später Erfolg messen.
Bevor Sie Tools vergleichen, zeichnen Sie die relevanten Prozesse auf (z. B. Onboarding, Rechnungsfreigabe, Projektstatus). Oft sind Probleme weniger Tool- als Prozessbedingt. Priorisieren Sie nach Impact und Umsetzungsaufwand.
Laden Sie echte Nutzer in die Evaluation: Sachbearbeiter, Teamleiter, IT, Datenschutz. Kurze Interviews oder Workshops bringen konkrete Anforderungen ans Licht — z. B. mobile Nutzung, Offline-Fähigkeit, Schnittstellen zu SAP/DATEV oder SSO.
Sammeln Sie passende Anbieter (z. B. Notion, Confluence, Asana, Jira, Trello, Monday.com, Slack, Microsoft Teams, Dropbox, Google Workspace, Miro, Zapier, Make). Erstellen Sie eine Shortlist mit 3–5 Kandidaten, die Ihre Anforderungen abdecken.
Führen Sie kurze Pilotprojekte durch (4–8 Wochen) in einem repräsentativen Team. Messen Sie die definierten KPIs und sammeln Sie Nutzerfeedback. Treffen Sie eine datengetriebene Entscheidung auf Basis der Ergebnisse.
Praktische Kriterien — meine Checkliste
Beim Vergleich nutze ich folgende Kriterien, die Sie in einer Tabelle oder einem Scorecard erfassen sollten:
| Kriterium | Frage | Bewertung (1–5) |
|---|---|---|
| Funktionalität | Deckt das Tool 80% unserer Hauptprozesse ab? | |
| Integrationen | Gibt es native Integrationen zu kritischen Systemen (z. B. ERP, HR, Kalender)? | |
| Sicherheit | Erfüllt das Tool unsere Compliance-Anforderungen (DSGVO, ISO)? | |
| Kosten | Ist das Total Cost of Ownership transparent und kalkulierbar? | |
| Benutzerakzeptanz | Erwartete Nutzungsrate nach 3 Monaten? |
Tipps für den Pilot: Setup, Daten & Training
Ein Pilot ist mehr als ein Testaccount — er ist ein realistischer Ausschnitt des zukünftigen Betriebs. So stelle ich sicher, dass der Pilot aussagekräftig ist:
Change Management — oft unterschätzt
Technische Einführung ist nur die halbe Miete. Akzeptanz hängt von Kommunikation, Nutzenverständnis und einfachen Regeln ab. Meine Empfehlungen:
Technische Stolpersteine
Ein paar technische Aspekte, die Sie früh prüfen sollten — sonst wird’s teuer:
Beispiele aus der Praxis
Ich habe Teams erlebt, die bei der Wahl zwischen Asana und Jira scheiterten, weil sie Requirements nicht klar hatten: Jira war überangepasst für kleine Marketing-Teams, Asana dagegen erfüllte dort schneller die Bedürfnisse. In einem anderen Projekt scheiterte eine Einführung von Miro, weil keine Regeln zur Dokumentstruktur definiert wurden — das Board wurde schnell unübersichtlich und verlor seinen Wert.
Tools wie Zapier oder Make haben in vielen Fällen die Einführung erleichtert, weil sie fehlende native Integrationen kompensieren — aber sie bringen zusätzliche Kosten und müssen administriert werden.
Wie ich die Entscheidung dokumentiere
Meine finale Entscheidungsdokumentation enthält:
Diese Dokumentation dient als Referenz und hilft, später nachzuvollziehen, warum Entscheidungen getroffen wurden — und ob Anpassungen nötig sind.
Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen eine kostenlose Excel-Vorlage für die Bewertungsmatrix schicken oder mit Ihnen gemeinsam eine Shortlist für konkrete Anwendungsfälle (z. B. PM-Tool, Kollaboration, Dokumentenmanagement) erstellen.