Wenn ein Teammitglied ausfällt, stehen viele Führungskräfte vor derselben Herausforderung: Wie verteile ich kurzfristig anfallende Aufgaben, ohne die verbliebenen Kolleginnen und Kollegen zu überlasten – und trotzdem die wichtigsten Geschäftsabläufe aufrechtzuerhalten? In meiner Arbeit habe ich immer wieder gesehen, dass eine faire, transparente Vorgehensweise nicht nur das operative Risiko senkt, sondern auch das Vertrauen und die Motivation im Team stärkt. Ich teile hier konkrete Schritte, praktische Beispiele und Tools, die ich selbst verwende oder empfehle.
Erste Minute: Ruhe bewahren und schnell priorisieren
Das Wichtigste ist: nicht in Panik verfallen. Ein klarer Kopf hilft, Prioritäten zu setzen. Ich frage mich zuerst: Welche Aufgaben müssen unbedingt weiterlaufen (Kundenbetreuung, fristgebundene Lieferungen, Abrechnungen)? Welche können verschoben oder temporär reduziert werden?
Dieses Vorgehen verhindert, dass alle sofort das vermeintlich Dringendste übernehmen und sich gegenseitig Aufgaben abluchsen – ein schneller Weg zur Überlastung.
Faire Verteilung: Kriterien statt Bauchgefühl
Eine faire Aufgabenverteilung basiert auf transparenten Kriterien. Ich nutze meist diese Faktoren:
Statt per E-Mail hin und her zu fragen, wer was übernimmt, mache ich eine kurze Übersichtstabelle (siehe Beispiel unten) und teile sie im Team-Channel. Dadurch wird sichtbar, wer wie stark belastet ist und warum bestimmte Aufgaben an bestimmte Personen gehen.
| Aufgabe | Priorität | Benötigte Kompetenz | Vorschlag (Wer) | Einarbeitungsaufwand |
|---|---|---|---|---|
| Kundenanfragen – SLA 24h | kritisch | Kundenwissen, CRM-Zugriff | Anna | 30 min Übergabe |
| Monatliche Rechnungen | wichtig | Buchhaltungskenntnisse | Extern: Steuerberater / Tom | 1 Stunde (Anleitung) |
| Interne Reports | nice-to-have | Excel-Grundlage | verschieben | - |
Team einbeziehen: Transparenz schafft Akzeptanz
Ich teile die Prioritätenmatrix offen und bitte um Feedback. Häufig melden sich Mitarbeitende mit guten Alternativvorschlägen oder Hinweisen auf Engpässe, die ich nicht gesehen habe. Diese Beteiligung erhöht die Akzeptanz der Verteilung und verhindert das Gefühl, etwas aufgezwungen bekommen zu haben.
Temporäre Maßnahmen, die Überlastung verhindern
Manches lässt sich kurzfristig delegieren, anderes muss reduziert oder pausiert werden. Ich empfehle folgende Maßnahmen:
Beispiel: Wenn die Marketing-Kollegin fehlt, kann ich die Social-Media-Planung für zwei Wochen auf einfache Posts reduzieren und die meisten Inhalte automatisiert via Hootsuite oder Buffer planen. Dadurch entsteht kein zusätzlicher manueller Aufwand für das Team.
Einarbeitung effizient gestalten
Einarbeitungsaufwand ist oft der größte Bremser. Eine klare, schlanke Übergabe reduziert Zeit und Fehler. Meine Checkliste für Kurz-Einarbeitungen:
Wenn möglich, nehme ich kurze Videoaufnahmen oder Bildschirmaufzeichnungen (z. B. Loom) auf – das spart in der Folge viele Rückfragen.
Tool-Empfehlungen für die Organisation
Einige Tools erleichtern die Verteilung und Sichtbarkeit von Arbeit:
Ich nutze häufig eine Kombination: Trello für Aufgaben, Slack für Kommunikation und 1Password für Zugänge. Das reduziert Reibungsverluste erheblich.
Fairness sichern: Kompensation und Anerkennung
Wenn Kolleginnen und Kollegen kurzfristig mehr leisten, ist Anerkennung Pflicht. Fairness kann verschiedene Formen annehmen:
Ich frage immer offen: Was wäre für dich ein fairer Ausgleich? Oft reicht die Aussicht auf Zeitausgleich und eine ehrliche Danksagung – aber es sollte individuell abgestimmt sein.
Weniger sichtbar, aber wichtig: Emotionale Belastung beachten
Krankheitsausfälle sind oft stressig – nicht nur organisatorisch, sondern emotional. Ich spreche aktiv an, dass Mehrarbeit kurzzeitig belastet. Ein regelmäßiges Check-in hilft, Überlastung zu erkennen. Wenn ich merke, dass jemand dauerhaft an seine Belastungsgrenze kommt, suche ich sofort nach alternativen Lösungen (externe Hilfe, Umverteilung, priorisieren).
Szenarienplanung: Für den nächsten Ausfall vorbereitet sein
Gute Vorbereitung spart später Zeit. Ich empfehle, Standardpläne für häufige Ausfall-Szenarien anzulegen:
Solche Playbooks (1–2 Seiten) schütze ich in einem geteilten Ordner, auf den das gesamte Team zugreifen kann. Im Ernstfall reicht ein Blick, um schnell handlungsfähig zu sein.
Fehlzeiten gehören zum Arbeitsleben. Entscheidend ist, wie wir als Führungskräfte reagieren: transparent, fair und vorausschauend. So halten wir Betrieb am Laufen und sichern gleichzeitig das Wohl unseres Teams.